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Präoperative Abklärungen

Präoperative Abklärungen vor elektiven nichtkardiochirurgischen Eingriffen

Die empfohlenen Abklärungen ergeben sich aus dem Eingriffsrisiko, den relevanten Nebendiagnosen und der funktionellen Leistungskapazität. Grundlage sind die ESC-Leitlinien 2022 zur kardiovaskulären Beurteilung vor nichtkardiochirurgischen Eingriffen sowie der Revised Cardiac Risk Index nach Lee.

Idealerweise mindestens 1 Monat vor dem Eingriff, spätestens jedoch 1 Woche vorher

Patientendaten

Das Alter steuert die Indikation von EKG und natriuretischen Peptiden nach ESC 2022; das Gewicht wird für die Heparindosierung verwendet.

Schritt 1

Operationsrisiko

Geschätztes 30-Tage-Risiko für kardiovaskulären Tod oder Myokardinfarkt allein aufgrund des Eingriffs. Einen Eingriff auswählen.

Niedriges OP-Risiko < 1 %
Mittleres OP-Risiko 1–5 %
Hohes OP-Risiko > 5 %

Schritt 2

Relevante Nebendiagnosen und ergänzende Angaben

Mehrfachauswahl. Die Nebendiagnosen und der insulinpflichtige Diabetes sind zugleich Bestandteile des Revised Cardiac Risk Index; die übrigen Angaben steuern EKG, Echokardiographie und das Vorgehen bei antithrombotischer Therapie.

Nebendiagnosen

Ergänzende Angaben

Schritt 3

Funktionelle Leistungskapazität in MET

MET steht für metabolische Äquivalente.

1 MET — für sich selbst sorgen: essen, trinken, anziehen, Toilette; innerhalb des Wohnbereiches herumlaufen
4 MET — eine Etage Treppen steigen, leichte Hausarbeiten
10 MET — anstrengende Sportarten wie Schwimmen, Tennis, Fussball, Skilaufen

Schritt 4

Operationsdatum und Uhrzeit

Grundlage für die konkreten Einnahmedaten und die Nüchternzeiten. Ist die genaue Uhrzeit noch nicht bekannt, genügt die Angabe Vormittag oder Nachmittag.

Falls die Uhrzeit nicht bekannt ist
Blutungsrisiko des Eingriffs

Wird aus dem gewählten Eingriff vorgeschlagen und kann angepasst werden. Massgebend für NOAK, Thrombozytenaggregationshemmer, Vitamin-K-Antagonisten und Heparin.

Schritt 5

Aktuelle Medikation

Wirkstoff oder Handelsname eingeben, die Stärke in mg und die Anzahl Einheiten je Tageszeit, zum Beispiel Eliquis · 5 mg · 1 / 0 / 1 / 0. Bei Insulin bleibt das mg-Feld leer, in den Tageszeiten stehen die Insulineinheiten. Halbe Tabletten als 0,5 oder ½. Wöchentliche Präparate werden automatisch erkannt.

Für die NOAK-Pausen, besonders bei Dabigatran, sowie für Metformin.

MedikamentmgMorgenMittagAbendNacht

Grundlagen

Revised Cardiac Risk Index nach Lee

PunkteRisikoklasse30-Tage-MACE (Metaanalyse 2017)Originalpublikation 1999
0sehr niedrig3.9 %0.4 %
1niedrig6.0 %0.9 %
2mittel10.1 %6.6 %
≥ 3hoch15 %> 11 %

Die sechs Kriterien sind: Hochrisikoeingriff (intraperitoneal, intrathorakal oder suprainguinal vaskulär), ischämische Herzkrankheit, Herzinsuffizienz, zerebrovaskuläre Erkrankung, insulinpflichtiger Diabetes mellitus und Kreatinin über 177 µmol/l. Die neueren, deutlich höheren Absolutrisiken stammen aus der Metaanalyse der kanadischen Leitlinienarbeit von 2017 und beruhen auf systematischer Troponinmessung; die Originalwerte von Lee unterschätzen die Ereignisrate.

Warum weniger Routineabklärung besser ist
  • Routine-EKG, Routine-Thoraxröntgen und Routinelabor bei beschwerdefreien Personen vor Eingriffen mit niedrigem Risiko verbessern das Ergebnis nicht, verzögern aber die Operation und erzeugen Zufallsbefunde mit weiterer Diagnostik.
  • Eine nichtinvasive Ischämiediagnostik ist nur sinnvoll, wenn ihr Ergebnis das Vorgehen ändern würde. Eine prophylaktische Revaskularisation allein zur Vorbereitung eines nichtkardiochirurgischen Eingriffs verbessert die Prognose nicht (CARP-Studie).
  • Der grösste Nutzen der präoperativen Beurteilung liegt in der Optimierung der bestehenden Therapie, der Anämiekorrektur und der Planung des perioperativen Medikamentenmanagements.
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